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atelierEUROPA // 12.03.2004 - 13.06.2004Kunstverein Muenchen


Precarias a la Deriva (Madrid)

Precarias a la deriva (umherschweifende illegale Arbeiterinnen) ist ein kollektives Projekt für Forschung und Aktivismus. Die politischen Interessen der Mitglieder dieses offenen Projekts konvergierten am 20. Juni 2002, dem Tag, an dem die großen Gewerkschaften Spaniens einen Generalstreik ausriefen. Wir stellten fest, dass viele der Jobs an den Rändern der Gesellschaft – die unsichtbaren, unregulierten, unsteten Tätigkeiten – in keinster Weise durch diesen Typus von Streik berührt oder verändert wurden. Zudem hatte sich die Illegalisierung des Arbeitsmarktes in einem Maße ausgeweitet, dass die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung von den neuen Reformen, gegen die der Streik sich richtete, noch nicht einmal betroffen war. Daher versuchten wir neue Wege zu finden, diesen Tag des Kampfes zu begehen und uns den neuen Realitäten der Arbeitswelt zuzuwenden und ihnen entgegenzutreten. Wir beschlossen, die klassische Streikform der Aussperrung durch eine Streik-Recherche zu ersetzen. Gegen die alltägliche Trennung von Leben und Arbeit – eine Trennung, die der Feminismus schon seit langem in Frage stellt – optierten wir für eine Forschungspraxis, die der räumlichen und zeitlichen Kontinuität des Daseins Rechnung trägt und die Erfahrung der doppelten (oder besser: vielfältigen) Präsenz als subjektive Transposition oder, in Begriffen des Situationismus, als Technik des ununterbrochenen Durchgangs durch zahlreiche physische und psychische Umwelten versteht. Wir beschlossen zudem, dass dieses Sichtreibenlassen in der ersten Person ausagiert werden sollte, d.h. dass jede Teilnehmerin den anderen von sich erzählt, so dass wir gemeinsam zu einer umsichtigen, aber beharrlichen Annäherung an die Unterschiede, die zwischen uns bestehen, gelangen. Es handelt sich hier also um den Versuch, sowohl Gemeinsamkeiten zu suchen wie auch Singularitäten zu bestärken. Wir müssen die Mängel und Exzesse unserer Arbeits- und Lebenszusammenhänge vermitteln, um der neoliberalistischen Fragmentierung, die uns trennt und schwächt, die uns zu Opfern der Angst, der Ausbeutung und des Individualismus ‚einer jeden für sich selbst’ macht, zu entkommen. Vor allem aber wollen wir durch einen gemeinsamen kreativen Kampf die kollektive Gestaltung eines anderen Lebens möglich machen. Im Grunde ging es bei unserem Projekt darum, eine Kartographie illegalisierter Arbeit von Frauen zu erstellen, die auf Austausch, Erfahrung und gemeinsamer Reflexion basiert. Mit diversen Techniken der Dokumentation (Fotografien, Dias, Videos, Tonbandaufnahmen und Niederschriften) wurde allem, was gesehen und gesagt wurde, in größtmöglichem Ausmaß Materialität verliehen, um die daraus zu gewinnenden Ergebnisse und Hypothesen kommunizieren zu können; es geht uns also darum, einen neuen Ort zu besetzen, neue Kompetenz und neues Material für den Raum des Politischen zu gewinnen.

} Website: www.sindominio.net/karakola/precarias.htm


Precarias a la Deriva (Madrid)

Precarias a la deriva (Precarious women workers adrift) is a collective project of investigation and action. The concerns of the participants in this open project converged the June 20, 2002, the day of the general strike called by the major unions in Spain. We saw that many of these jobs in the margins – the invisible, unregulated, unmoored jobs – were in no way interrupted or altered by a strike of this type, and that the precarization of the labor market had extended to such an extent that the majority of working people were not even effected by the new reforms against which the strike was directed. Therefore we tried to think of new forms of living this day of struggle by approaching and confronting these new realities. We decided to transform the classic shut-down picket into a survey-picket. Against the habitual division of life and work, a division long questioned by feminism, we opted for a research practice that would attend to the spatial/temporal continuum of existence and the experience of the double (or better, multiple) presence as a subjective transposition or, as the Situationists would say, as a technique of uninterrupted passage through diverse physical and psychic environments.
We decided, moreover, that this drifting should be done in the first person, that is, with each one telling the others about herself, and walking together towards a prudent but sustained approximation of the differences between us. We talk, therefore, of seeking common places and, simultaneously, of singularities to strengthen. We need to communicate the lacks and the excesses of our working and living situations in order to escape from the neoliberal fragmentation which separates and debilitates us, turning us into victims of fear, of exploitation or of the individualism of "each one for herself". But, above all, we want to make possible the collective construction of other lives through a shared creative struggle. Basically it was a question of producing a cartography of the precarized work of women based on the exchange of experiences, shared reflections and the recording of all that was seen and told in an effort to materialize these encounters to the greatest extent possible – through photographs, slides, video, audio recordings and written stories – in order to communicate the results and the hypothesis which might be derived from them; a question of taking a new place, a new competence and primary material for the political.

} Website: www.sindominio.net/karakola/precarias.htm

Diskussionsbeitrag von Precarias a la Deriva
Sonntag den 04. April 2004 //12.30 Uhr
Discussion with Precarias a la Deriva
Sunday, 04. April 2004 // 12.30 noon
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