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Precarias a la deriva (umherschweifende illegale Arbeiterinnen)
ist ein kollektives Projekt für Forschung und Aktivismus.
Die politischen Interessen der Mitglieder dieses offenen
Projekts konvergierten am 20. Juni 2002, dem Tag, an dem
die großen Gewerkschaften Spaniens einen Generalstreik
ausriefen. Wir stellten fest, dass viele der Jobs an den
Rändern der Gesellschaft – die unsichtbaren,
unregulierten, unsteten Tätigkeiten – in keinster
Weise durch diesen Typus von Streik berührt oder verändert
wurden. Zudem hatte sich die Illegalisierung des Arbeitsmarktes
in einem Maße ausgeweitet, dass die Mehrheit der
arbeitenden Bevölkerung von den neuen Reformen, gegen
die der Streik sich richtete, noch nicht einmal betroffen
war. Daher versuchten wir neue Wege zu finden, diesen Tag
des Kampfes zu begehen und uns den neuen Realitäten
der Arbeitswelt zuzuwenden und ihnen entgegenzutreten.
Wir beschlossen, die klassische Streikform der Aussperrung
durch eine Streik-Recherche zu ersetzen. Gegen die alltägliche
Trennung von Leben und Arbeit – eine Trennung, die
der Feminismus schon seit langem in Frage stellt – optierten
wir für eine Forschungspraxis, die der räumlichen
und zeitlichen Kontinuität des Daseins Rechnung trägt
und die Erfahrung der doppelten (oder besser: vielfältigen)
Präsenz als subjektive Transposition oder, in Begriffen
des Situationismus, als Technik des ununterbrochenen Durchgangs
durch zahlreiche physische und psychische Umwelten versteht.
Wir beschlossen zudem, dass dieses Sichtreibenlassen in
der ersten Person ausagiert werden sollte, d.h. dass jede
Teilnehmerin den anderen von sich erzählt, so dass
wir gemeinsam zu einer umsichtigen, aber beharrlichen Annäherung
an die Unterschiede, die zwischen uns bestehen, gelangen.
Es handelt sich hier also um den Versuch, sowohl Gemeinsamkeiten
zu suchen wie auch Singularitäten zu bestärken.
Wir müssen die Mängel und Exzesse unserer Arbeits-
und Lebenszusammenhänge vermitteln, um der neoliberalistischen
Fragmentierung, die uns trennt und schwächt, die uns
zu Opfern der Angst, der Ausbeutung und des Individualismus ‚einer
jeden für sich selbst’ macht, zu entkommen.
Vor allem aber wollen wir durch einen gemeinsamen kreativen
Kampf die kollektive Gestaltung eines anderen Lebens möglich
machen. Im Grunde ging es bei unserem Projekt darum, eine
Kartographie illegalisierter Arbeit von Frauen zu erstellen,
die auf Austausch, Erfahrung und gemeinsamer Reflexion
basiert. Mit diversen Techniken der Dokumentation (Fotografien,
Dias, Videos, Tonbandaufnahmen und Niederschriften) wurde
allem, was gesehen und gesagt wurde, in größtmöglichem
Ausmaß Materialität verliehen, um die daraus
zu gewinnenden Ergebnisse und Hypothesen kommunizieren
zu können; es geht uns also darum, einen neuen Ort
zu besetzen, neue Kompetenz und neues Material für
den Raum des Politischen zu gewinnen.
} Website: www.sindominio.net/karakola/precarias.htm
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Precarias a la deriva (Precarious women workers adrift)
is a collective project of investigation and action. The
concerns
of the participants in this open project converged the June
20, 2002, the day of the general strike called by the major
unions in Spain. We saw that many of these jobs in the margins – the
invisible, unregulated, unmoored jobs – were in no
way interrupted or altered by a strike of this type, and
that the
precarization of the labor market had extended to such an
extent that the majority of working people were not even
effected
by the new reforms against which the strike was directed.
Therefore we tried to think of new forms of living this day
of struggle
by approaching and confronting these new realities. We decided
to transform the classic shut-down picket into a survey-picket.
Against the habitual division of life and work, a division
long questioned by feminism, we opted for a research practice
that would attend to the spatial/temporal continuum of existence
and the experience of the double (or better, multiple) presence
as a subjective transposition or, as the Situationists would
say, as a technique of uninterrupted passage through diverse
physical and psychic environments.
We decided, moreover, that this drifting should be done in
the first person, that is, with each one telling the others
about herself, and walking together towards a prudent but
sustained approximation of the differences between us. We
talk, therefore,
of seeking common places and, simultaneously, of singularities
to strengthen. We need to communicate the lacks and the excesses
of our working and living situations in order to escape from
the neoliberal fragmentation which separates and debilitates
us, turning us into victims of fear, of exploitation or of
the individualism of "each one for herself". But,
above all, we want to make possible the collective construction
of other lives through a shared creative struggle. Basically
it was a question of producing a cartography of the precarized
work of women based on the exchange of experiences, shared
reflections and the recording of all that was seen and told
in an effort to materialize these encounters to the greatest
extent possible – through photographs, slides, video,
audio recordings and written stories – in order to
communicate the results and the hypothesis which might be
derived from
them; a question of taking a new place, a new competence
and primary material for the political.
} Website: www.sindominio.net/karakola/precarias.htm |